Ein Viertel der Ex-Karmänner ist jetzt vermittelt
21. May 2008
Neue Osnabrücker Zeitung - Stadt Osnabrück vom 21.05.2008
107 der 393 ehemaligen Karmann-Mitarbeiter, die im Februar in die Transfergesellschaft Schaffer Service GmbH gewechselt sind, haben einen neuen Arbeitsplatz gefunden oder gleiten in den Ruhestand.
Das entspricht einer Quote von 27 Prozent. „Wir sind zuversichtlich, bis Ende des Jahres die meisten Klienten vermittelt zu haben“, sagte Rommy Schaffer, Geschäftsführerin der Transfergesellschaft. Die angepeilte Vermittlungsquote von 60 Prozent sei „mit Sicherheit“ umsetzbar, zumal sich die Konjunktur weiter positiv entwickele. In der ersten Welle lag die Quote bei 71 Prozent. Sieben Prozent kamen in Zeitarbeitsfirmen unter. Zur ganzen Wahrheit gehört auch dies: Als „vermittelt“ gelten auch jene 20, die nach einer Übergangszeit in der Transfergesellschaft in den Ruhestand gehen werden.
Wie begehrt qualifizierte Kräfte inzwischen sind, zeigt die Tatsache, dass sich wöchentlich Firmen bei den Ex-Karmännern vorstellen. So warb der Tiefkühlkost-Handel Eismann aus Mettmann für den Job als Verkaufsfahrer. Zwei Ex-Karmänner werden in nächster Zeit Probefahrten machen.
Die Westfalenbahn ist wie bei der vorangegangenen Entlassungswelle ein sicherer Partner. Zwölf Klienten machen eine Ausbildung zum Lok-Führer. Andere werden Berufskraftfahrer. Zwei Kandidaten beginnen in Leipzig eine Ausbildung zum Inspekteur für Grundstücksentwässerungsanlagen. Im Emsland werden Industrie-Isolierer gesucht, die in Kraftwerken oder Raffinerien Rohre ummanteln. Ein Betrieb in Haren stellt Laminierer ein, die Windrad-Flügel mit einer Schutzschicht versehen.
Besonders laut ist der Ruf aus der Schweiz. Der Hersteller von Windkraftanlagen Areva würde aus dem Stand 80 Leute einstellen. Nach einer Präsentation bei Schaffer reichten zehn Ex-Karmänner ihre Bewerbungen ein. Die Bedingungen sind gut, wie Vermittler Thomas Gerwert von Schaffer Service sagt. Der Verdienst liegt zwischen 2000 und 2400 Euro netto.
Der Start sei leichter gewesen als in den anderen Entlassungswellen, meint Rommy Schaffer. Es habe „kein Wutpotenzial“ bei den Betroffenen gegeben, und die Transfergesellschaft sei als fairer Partner voll akzeptiert. Dennoch läuft nicht alles rund: Schwierig ist die Arbeitsplatzsuche für die ehemalige Kantinen-Mannschaft. Und weil es die sogenannte „Turbo-Prämie“ nicht mehr gibt, nehmen sich manche Ex-Karmänner etwas mehr Zeit zum Überlegen. Die Vorgänger erhielten für jeden Monat, den sie früher ausschieden, 625 Euro extra.